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8. Januar 2010 • Alle Beiträge, Musik, Wir in der Presse

Bericht in der FAZ Rhein-Main-Zeitung vom 8.1.2010

FAZ Rhein-Main Zeitung vom 08.01.2010

Mit Vivaldi-Klängen in die große Pause

08. Januar 2010 „Jauchzet, frohlocket“ tönt es aus den Schullautsprechern. Mit den Klängen von Bachs Weihnachtsoratorium wurden 234 Kinder der Schwalbacher Georg-Kerschensteiner-Schule im Dezember in die Pausen geschickt. Wenn die Pennäler am Montag wieder die Schulbank drücken müssen, dann ermahnt Vivaldis „Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“ zum pünktlichen Erscheinen im Unterricht. Konrektorin An drea Baader hat die musikalische Untermalung schon bereitgelegt. Denn Klassikhits statt schrilles Klingeln oder Pausengongs gehören seit fünf Jahren zum Schulprofil.

Wie die Albert-Schweitzer-Schule im Hattersheimer Stadtteil Okriftel und die Theodor-Heuss-Schule in Bad Soden ist die Kerschensteiner-Schule als musikalische Grundschule zertifiziert. Die Schwalbacher Einrichtung in der Limesstadt war vor fünf Jahren die erste, die den Zuschuss in Höhe von 20.000 Euro aus einem Programm von Bertelsmann-Stiftung und Kultusministerium erhielt. Das war gut angelegtes Geld – der Erfolg ist heute sichtbar und hörbar.

Musikalische Zählreime

Es gibt zwei Gitarrenkurse, drei Flöten-Arbeitsgemeinschaften, eine Trommel-Gruppe und musikalische Erziehung mit Orffschem Instrumentarium. Eine Lehrerin übt indische Tänze ein, und ein Rapper aus Frankfurt bringt begeisterten Schülern auch diese Ausdrucksform bei. Gleichzeitig beherrschen alle Kinder, die zu 70 Prozent ausländische Wurzeln haben, die Strophen von „Kein schöner Land in dieser Zeit“ genauso perfekt wie „Like ice in the sunshine“ oder das eigens komponierte Schullied.

Musikalische Früherziehung: Schülerinnen der Kerschensteiner-Grundschule beim Üben

Aber auch mit Streichquartett und Bläsergruppe kann die Grundschule unterdessen aufwarten. Musik ziehe sich wie ein roter Faden durch den gesamten Unterricht, ob dies nun Deutsch oder Mathematik sei, berichtet Baader, die das Konzept der musikalischen Grundschule gemeinsam mit Musiklehrerin Christina Simon ausgearbeitet hat. Tage das Lehrerkollegium, werde zunächst einmal gesungen, oder es würden neue Bewe gungstänze einstudiert. Die Mathematiklehrer präsentierten stolz ihre musikalischen Zählreime, die Deutschlehrer ihre vertonten Gedichte. Das alles lohne sich, sagt Baa der und berichtet davon, dass die Schüler viel selbstbewusster geworden seien, sich besser ausdrückten und weniger aggressiv seien. Schüler aus 34 Nationen hätten ge lernt, sich durch eine Sprache zu verständigen: die Musik.

Beachtliche Bläserklasse

Zum Thema

Die Kerschensteiner-Schule ist im Main-Taunus-Kreis kein Einzelfall. Es gebe ver schiedene Programme und Initiativen, um Musik an den Schulen zu fördern, erläutert Schuldezernent Michael Cyriax (CDU). Man wolle gerade jene Kinder begeistern, die sozial benachteiligt seien und zu Hause kein Instrument erlernen könnten. Über das Landesprogramm „Jeki“ (Jedem Kind ein Instrument) werde Fördergeld verteilt. Es gebe sehr gut funktionierende Kooperationen mit Musikschulen und sogar mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. „Da regt sich einiges“, sagt Cyriax. Das Engagement sei keineswegs auf die ausdrücklich zertifizierten Grundschulen beschränkt. Wie breit die Palette wirklich sei, werde immer beim Tref fen der Schulchöre im November im Kreishaus deutlich.

Was an Grundschulen beginne, finde an weiterführenden Schulen oftmals seine Fort setzung. Eine beachtliche Bläserklasse gebe es an der Eichendorffschule in Kelkheim, deren Schwerpunkt Musik sei, aber ebenso das Flörsheimer Stauffenberg-Gymnasi um, die Hofheimer Main-Taunus-Schule und die Schwalbacher Albert-Einstein-Schule legten viel Wert auf die musikalische Ausbildung ihrer Schüler, sagt Cyriax.

Wettbewerbe und öffentliche Auftritte

Das große musikalische Potential der Schulen, das sich im vergangenen Jahr beim ers ten Schulkulturfestival offenbarte, ist den Politikern nicht verborgen geblieben. Nach einem einstimmigen Beschluss des Kreistags soll das Schuldezernat ein Konzept erarbeiten, um das vielfältige Engagement der musischen Fächer noch besser zu bün deln und nach außen darzustellen. Dies müsse mit Augenmaß geschehen, mahnt Cyriax allerdings: Denn so schön Wettbewerbe und öffentliche Auftritte für manche Schüler auch seien, dürften andere nicht überfordert werden.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Cornelia Sick

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Georg-Kerschensteiner-Schule
Grundschule des Main-Taunus-Kreises
Musikalische Grundschule mit Ganztagsangebot
Ostring 35 B
65824 Schwalbach am Taunus
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